Montag, 2. November 2009

contemporary artists: jeff koons und approbation art

Jeff Koons ruft recht gespaltene Eindrücke hervor. Das Hanging Heart aus der Celebration Series auf der einen Seite - oder die riesen Puppy - sind nicht umsonst weltbekannt. Ihre Größe, ihre Verarbeitung, ihre Farben sind schillernd, "man" ist beeindruckt. Auch seine hyperrealistischen Bilder faszinieren wegen ihrer Plastizität. Auf der anderen Seite aber produziert Jeff Koons viele Nachahmungen von bereits Gewesenem - bewusst und daher strenggenommen in der Tradition der manipulierende Kopien zur Philosphie erhebenden Appropriation Art. Er verfremdet das Gefundene durch veränderte Materialien, Größen und Farben, aber dennoch sind die Abbilder häufig so nahe am Original, dass die Eigenständigkeit durchaus legitim in Frage gestellt werden darf. Man denke nur an die verschiedenen Urheberrechtsprozesse, den Verlorenen gegen den Fotografen Art Rogers wegen der 1987 hergestellten Abbilder von Puppies nach einem Foto, oder den Gewonnenen um 2000 gegen die Fotografin Andrea Blanch. Der künstlerische Schaffenzprozess ist damit zumindest reduziert. Zumal er seine auch technisch anspruchsvollen Arbeiten mit stainless steel mit einem Haufen von Mitarbeitern in einer Werkstatt produziert. All das ist Pop Art auf die Spitze getrieben, denn die Kunst selbst Teil wird des Konsumdenkens. Die Kunst selbst ist produziert.

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Die erste Retrospektive - in Versailles im letzten Jahr- brachte hingegen die faszinierenden Facetten der Objekte von Jeff Koons recht vorteilhaft zur Geltung. Merkwürdigerweise wirken die Objekte in der prunkvollen Umgebung des barocken Schlosses nur zum Teil fremd. Einerseits zeigt dies, wie viel Nachahmung doch in dem Werk aufzuzeigen ist. Andererseits glänzt stainless steel passend wie das die Skulpturen umgebende Gold, sie nehmen den barocken Glanz auf. Andere Objekte, wie die Tierfuguren sprengen dann doch den steifen Rahmen und weisen auf kindlichere Spiele hin als es die Ornamente der Räume ursprünglich vorsahen. Diese Interaktion zwischen Raum und Objekt ist jedenfalls nicht nur äußerst ästhetisch, sie gibt auch viel Raum für Interpretation: Ist die Konsumkultur nur auf nivellierterem Niveau neu erstandener, im Kern jedoch bereits bekannter barocker Zug? Ist dann nicht die neudefinierende Nachahmung der Approbation Art ehrlicher - weil alles in Traditionen wiedergefunden werden kann? Oder geht es nur darum, Objekte möglichst glänzend und prunkvoll in Szene zu setzen, Ehrfurcht hervorzurufen? Mag man auch den künstlerischen Prozess bei Jeff Koons kritisch sehen, zumindest beeindruckend allein wegen ihrer Größe sind die Arbeiten schon. Sie haben immerhin Resonanz.

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